Recycling-Baustoffe: 90 Mio. t bis 2010
Hohe Verwertungsrate und grenzüberschreitende Fortschritte
NN (Tagungsbericht)
Beim Unternehmerforum im Rahmen der Recycling-Baustoff-Tage 2000 in Nürnberg wurden erste Ergebnisse der Umweltstatistik zum Baustoffrecycling 1998 bekannt gegeben. Danach wurden von 88 Mio. t insgesamt angefallenen Baurestmassen (Bauschutt, Straßenaufbruch, Baustellenabfällen) bereits 62,2 Mio. t recycelt. Dies entspricht einem Zuwachs von 6,3 % gegenüber 1996. Regional stehen dabei Zuwächsen in den alten Bundesländern deutliche Rückgänge in den neuen Bundesländern gegenüber. – Insgesamt erfüllt Deutschland damit schon heute die Empfehlung des Europäischen Rats und des Europäischen Parlaments, wonach Recyclingquoten für Bau- und Abbruchabfälle in Höhe von 50 % bis 75 % bis 2005 und von 70 % bis 85 % bis 2010 vorgegeben werden. – Um dem Ziel einer nachhaltigen Entwicklung auch künftig gerecht zu werden, gelte es auch weiterhin, die Akzeptanz von Recycling-Baustoffen bei den Verwendern zu stärken, betonte der Vorsitzende des Bundesverbandes der Deutschen Rycyling-Baustoff-Industrie (BRB), Dr. Guntram Kohler. Dazu sei die Integration rezyclierter Zuschläge in die technische Norm des Europäischen Normenkomitees und des Deutschen Instituts für Normung erforderlich. – Der Vertreter des bayerischen Umweltministeriums, Otto Bischlager, erläuterte beim Unternehmerforum Bayerns Einstellung zum Ende der Abfalleigenschaft von Bauabfällen: Danach seien in qualifizierten Anlagen aufbereitete Bauabfälle, die die Qualitätsanforderungen z.B. der LAGA einhalten, ordnungsmäßig für die jeweilige Anwendung deklariert werden und einen positiven Marktwert besitzen, Produkte und keine Abfälle. – Richtlinien und technische – Lieferbedingungen – Dipl.-Ing. Harald Kurkowski, remex Dresden, stellte die neue Richtlinie für Recycling-Baustoffe vor. Die neue Richtlinie schließe die - trotz umfangreicher vorhandener Regeln noch bestehenden - Lücken z.B. für Einsatzbereiche, die nicht durch die Straßenbauvorschriften abgedeckt werden. Außerdem berücksichtigt die Richtlinie die wasserwirtschaftlichen Parameter nach einheitlichen Grundsätzen für die unterschiedlichen Anwendungsbereiche. Damit wurde eine Grundlage auch für die Durchführung der Fremdüberwachung geschaffen, welche zur weiteren Verbesserung der Qualitätssicherung von Recycling-Baustoffen und damit zu deren verbesserter Akzeptanz beitragen soll. Außerdem berücksichtigt die Richtlinie bereits heute die zur Zeit im Entwurf vorliegende DIN 4226, Teil 100, die als Zuschlagnorm für rezyclierte Zuschläge eingeführt werden. – Über den Fortschritt bei der Berücksichtigung von rezyclierten Zuschlägen in internationalen, europäischen und nationalen Vorschriften informierte Dipl.-Mineraloge Markus Schumacher, BRB Duisburg. Im einzelnen erläuterte er die in Kürze zu erwartenden "Richtlinien für die Anwendung von industriellen Nebenprodukten und Recycling-Baustoffen im Straßenbau RAwas-StB". Diese Richtlinien greifen die technischen Regeln der LAGA auf und übersetzen sie gewissermaßen in den Straßenbau. Die RAwas-StB konkretisieren die Hinweise der technischen Regeln der LAGA und definieren dabei auch den "Einbau in oder unter teildurchlässiger Schicht". – Ebenfalls weit fortgeschritten sind die Arbeiten an der Neufassung der "Technischen Lieferbedingungen für Mineralstoffe im Straßenbau (TLMin-StB 2000)". Hier werden erstmals wasserwirtschaftliche Merkmale als Mindestanforderungen an RC-Baustoffe und industrielle Nebenprodukte aufgeführt, die sich an den RAwas-StB orientieren. – Als wesentlichen Fortschritt bezeichnete Schumacher den im September 2000 erschienenen Entwurf der DIN 4226-100 "Gesteinskörnungen für Beton und Mörtel, Teil 100: Rezyclierte Gesteinskörnungen", der die erste einheitliche Liefergrundlage für Recycling-Baustoffe werden wird. Diese Norm werde trotz ihres Geltungsbereiches für die Verwendung im Beton Vorbildcharakter auch für Anwendungsbereiche im Straßen- und Wegebau haben. – Abschließend stellte Dipl.-Ing. Christoph Heckel, Magdeburg, die Verwendung von Recycling-Baustoffen bei der Gestaltung des Elbe-Parkes anläßlich der Magdeburger Bundesgartenschau 1999 in einer Dia-Präsentation vor. – Zukunftsaussichten – Nur das Recycling von Flächen, Gebäuden und Baustoffen könne - richtig gemacht - zu einer deutlichen Ressourcenschonung, zur Minimierung von Verkippungen und zur Reduzierung bzw. Inaktivierung von Schadstoffen im Kreislauf Bau führen, bilanzierte der BRB. Für die Zukunft hält der Verband eine weitere Steigerung der rezyclierten Baurestmassen von derzeit 62,2 Mio. t auf rd. 90 Mio. t bis 2010 für möglich. In diesem Zusammenhang ging der Appell an die Politik, Flächenrecycling, Entsiegelung, Rückbau von Alt-Industrie-Standorten oder von Altbau-Vierteln zu fördern. Ebenso wie den Rückbau leerstehender Plattenbauten in den neuen Bundesländern oder die Auslichtung von leerstehenden, einsturzgefährdeten Gebäuden in städtischen Ballungsgebieten. Mit derartigen Maßnahmen können nach Ansicht des Recycling-Wirtschaft zugleich auch Forderungen der Umwelt- und Naturschützer nach Eindämmung der Landinanspruchnahme befriedigt werden. – Der BRB setzt sich u.a. dafür ein, akzeptierte Regeln auch für andere Einsatzgebiete unter Einschluss der Anforderungen an Boden- und Grundwasserschutz zu erstellen. Hierzu hat der Bundesverband der Deutschen Recycling-Baustoff-Industrie neue Richtlinien erarbeitet, die den Teilnehmern der Recycling-Baustoff-Tage vorgestellt wurden. – Mit dem Ziel, die Kreislaufwirtschaft im Bauwesen unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit weiter auszubauen, sei es erforderlich, die Einsatzgebiete für Feinfraktionen aus RC-Anlagen weiter zu erforschen und zu optimieren. – Ein so genanntes 5-Punkte-Pogramm, das in Nürnberg vorlegte wurde, umfasst folgende Forderungen: – #Anerkennung von Recycling-Materialien als Produkt und kein Abstempeln als "Abfall zur Verwertung". – #Faire Wettbewerbschancen auf der Inputseite - kein Dumping bei den Deponien. – #Gleiche technische Regeln für Recycling-Baustoffe und Primärrohstoffe – #Einsatz von Recycling-Baustoffen überall dort, wo die technischen Regeln eingehalten werden können. – #Einheitliche Güteüberwachung für Recycling-Materialien. –
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beton 1/2001 ab Seite 33
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