VDB-Fachtagung: EN 206 statt DIN 1045-2
Treffen in Marburg Güteüberwachung und ökologisch-wirtschaftliche Optimierungsprozesse
Büchel, Rainer
Aktuelle Entwicklungen im Bereich der Normung fanden Widerhall bei der Fachtagung des Verbands Deutscher Betoningenieure e.V. in Marburg. So konnte erstmals vor einem größeren Kreis von Fachleuten aus der Praxis eine fundierte Antwort auf die Frage "EN 206 oder DIN 1045-2" gegeben werden. Bei den Themen Hochleistungsbeton und Selbstverdichtender Beton wurden neue wichtige Tätigkeitsgebiete für Betoningenieure aufgezeigt. – EN 206 positiv abgestimmt – Im März 2000 wurde der Entwurf der EN 206 positiv abgestimmt. Damit ist die seit langem in der Praxis diskutierte Frage, ob die überarbeitete DIN 1045 mit einem betontechnologischen Teil 2 erscheinen wird, beantwortet. Der Wunsch vieler Fachleute aus der Praxis, europäisches Gedankengut mit der Anpassung auf die nationalen Gegebenheiten in einer DIN zu vereinen, wird nicht verwirklicht. Stattdessen wird EN 206 auch in Deutschland eingeführt. Die im Entwurf von DIN 1045-2 vorgesehenen nationalen Besonderheiten werden in einer DAfStb-Anwendungsrichtlinie zusammengefasst. Dr.-Ing. Ulrich Litzner, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Beton- und Bautechnik-Vereins, konnte den Betoningenieuren einen Überblick über die einschneidenden Änderungen gegenüber DIN 1045 Ausgabe 1988 verschaffen. – Eines der wesentlichen Merkmale liegt darin, dass EN 206 eine reine Produktnorm ist, während die bisherige DIN 1045 eine Bauart-Norm ist. Auch wenn der Aufbau beider Normen gleich ist, so werden sich die Betoningenieure doch an zahlreiche neue Begriffe gewöhnen müssen. Zu nennen sind hier die Konformität, die Betonfamilie und Expositionsklassen. – Änderungen werden sich vor allem auch im Bereich der Gütesicherung ergeben. Beruht das Konzept der EN 206 auf dem Konzept des Produkts mit zertifizierten Eigenschaften, bei der die Konformitätserklärung des Herstellers ausreicht, sieht die DIN 1045 die Übereinstimmungslenkung durch ein Geflecht von Eigen- und Fremdüberwachung vor. Dieses Gedankengut soll durch die Anwendungsrichtlinie auch in die neue Normengeneration einfließen. Es werden Überwachungsklassen eingeführt. Bei bestimmten Überwachungsklassen werden dann auch in Zukunft Baustellenprüfungen erforderlich sein. Die Anwendungsrichtlinie des DAfStb soll im Herbst 2000 vorliegen. – Güteüberwachung mit Zukunft – Doch nicht nur die Normung beeinflusst die Tätigkeit des Betoningenieurs, auch das wirtschaftliche Umfeld trägt zum Wandel bei. Dr.-Ing. Rolf Breitenbücher, Geschäftsführer der Philip Holzmann Bautechnik GmbH, gab Antworten auf die Frage, ob das Güteüberwachungssystem von gestern auch morgen noch zeitgemäß sei. – Bemerkenswert ist, dass ein Drittel aller Berichte der Fremdüberwacher Minderfestigkeiten erwähnen. Man kann zwar anschließend durch Nachrechnen der Statik nachweisen, dass trotzdem keine Einsturzgefahr besteht, dies darf aber nicht zur Regel werden. Damit der Zwang zur Qualität erhalten bleibt, muss die Güte weiter überwacht werden. – Die Eigenüberwachung steht aber mittlerweile im eigenen Unternehmen unter einem Preis- und Konkurrenzdruck, der für die Durchsetzung von Qualität hinderlich ist. Teilweise werden bei Eigenüberwachungsverträgen schon Preise von 60 oder gar 30 Pfennig pro m3 geboten. Eine ordnungsgemäße Überwachung lässt sich aber zu diesen Preisen nicht durchführen. Gar keine Eigenüberwachung, so Breitenbücher, wäre in diesem Falle genauso gut, dafür aber noch preiswerter. – Aber auch die Fremdüberwacher geraten zunehmend unter Konkurrenzdruck. Es liegt nahe, dass man mit dem geworbenen Kunden nicht gar so streng umspringt. – Breitenbücher wies darauf hin, dass ein Hersteller in Schadensfällen bei Organisationsverschulden bis zu 30 Jahre lang haftet. Organisationsverschulden heißt in diesem Fall, dass der Hersteller von der Organisation seines Betriebs her nicht alles getan hat, mangelhafte Qualität auszuschließen. – Textile Bewehrung – Auch der Bereich der Bewehrung von Beton hat einige Impulse erfahren. Schon lange werden nicht mehr allein Stabstahl- und Mattenbewehrung eingesetzt, um Zugkräfte im Beton aufzunehmen. Zu den neueren Bewehrungstechniken Stahlfaser und Glasfaser gesellt sich die Textilbewehrung, über deren Möglichkeiten und Grenzen Prof. Dr.-Ing. Manfred Curbach, Lehrstuhl Massivbau der TU Dresden, berichten konnte. – Während Stahlfasern und Glasfasern nach der Zugabe zum Beton ungerichtet sind, kann textile Bewehrung durch ein Verweben gerichtet in den Beton - je nach zu erwartender Richtung der Zugkräfte - eingelegt werden. In Versuchen ergaben sich Zugfestigkeiten des Betons von 5 N/mm² bis 10 N/mm². Ähnlich wie bei Glasfasern können hier natürlich nur alkaliresistente Materialien verwendet werden. Die Dauerhaftigkeit von textilbewehrtem Beton ist noch in Langzeitversuchen zu prüfen. – Nachhaltigkeit ist wirtschaftlich – Nachhaltiges Denken verbessert die Wirtschaftlichkeit. Dies war einer der Kernsätze des Vortrags von Prof. Dr.-Ing. Michael Schmidt, Universität GH Kassel, zum Thema "Ökologische Bemessung von Bauwerken mit Hochleistungsbeton - ein Beitrag zum nachhaltigen Bauen". – Heute findet die Beurteilung aller Entwicklungen unter drei Gesichtspunkten statt: unter dem der Gesellschaft, dem der Wirtschaft und dem der Umwelt. Im Idealfall erfüllt eine Entwicklung alle Ansprüche der drei Bereiche. Dies wird aber sicher eher die Ausnahme bleiben. Vielmehr wird man sich in einen Optimierungsprozess begeben müssen, wobei auch Kompromisse zu schließen sind. – Einer der wesentlichen Faktoren, welche die Nachhaltigkeit des Bauens beeinflussen, ist die Nutzungsdauer eines Bauwerks. Da belastende Elemente in der Hauptsache die Herstellung der Baustoffe und die Rohbauphase selbst sind, wird eine Bilanz mit zunehmender Nutzungsdauer positiver. Damit hat auch die Qualität der Bauausführung eine besondere Bedeutung. – Auch die Entwicklung des Hochleistungsbetons war die konsequente Folge eines ökologisch-wirtschaftlichen Optimierungsprozesses. Bei einer Stütze kann man Betondruckfestigkeit, Außenabmessung und Bewehrungsgehalt so lange variieren, bis ein wirtschaftliches und ökologisches Optimum erreicht ist. – Erfahrungen mit Hochleistungsbeton – Einen internationalen Touch bekam die VDB-Fachtagung mit dem Vortrag von Harry Brantz, Vizedirektor beim internationalen Baustoffkonzern Holderbank, Schweiz. Ist in Deutschland der Einsatz von Hochleistungsbeton und Selbstverdichtendem Beton noch eine Seltenheit, ist es international mittlerweile eine Selbstverständlichkeit. – Als einen Vorteil des Selbstverdichtenden Betons hob Brantz die geringere Geräuschbelästigung durch das Entfallen von Verdichtungsarbeit hervor. So konnte zum Beispiel im dicht bewohnten 12. Pariser Bezirk bis 23.00 Uhr betoniert werden. – Dr. Rendchen wieder gewählt – Vor der Fachtagung in Marburg hielt der VDB seine Mitgliederversammlung ab. Dr. Karsten Rendchen, der im Vorjahr die Nachfolge von Prof. Robert Weber als 1. Vorsitzender antrat, wurde ebenso wieder gewählt wie Dipl.-Ing. Franz Josef Bilo als Schatzmeister. –
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beton 7/2000 ab Seite 401
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