Mischwasserrückhaltebecken unter einem Bürohaus
Hamburger Stadtentwässerung beschreitet neue Wege
Rubach, Henning
In unmittelbarer Nachbarschaft zu einem der zentralen Plätze in Hamburg, dem Anckelmannsplatz, errichtete die Hamburger Stadtentwässerung ihr größtes Mischwasserrückhaltebecken mit einem Speichervolumen von 22.500 m³. Erstmalig erfolgten Entwurf, Bau und Finanzierung einer Abwasseranlage dieser Größenordnung gemeinsam mit einem privaten Investor, der über dem Mischwasserrückhaltebecken ein bemerkenswertes, avantgardistisch anmutendes Bürogebäude errichtete. In den 60er- und 70er-Jahren hatten der wirtschaftliche Aufschwung und der Wohnungsbau auch in Hamburg Priorität. Mit Beginn der 80er-Jahre wurden die Folgen dieses nahezu unbegrenzten Wachstums immer deutlicher und die Umweltprobleme gelangten in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Die unbefriedigende Gütesituation der Hamburger Stadtgewässer war deshalb der Hauptgrund, 1982 ein Konzept zur Entlastung der Alster und der Nebengewässer von Überläufen aus dem Mischwassersielnetz aufzustellen. Das Mischwasserrückhaltebecken Anckelmannsplatz ist neben fünf weiteren das größte Becken dieses Konzepts. Es ist rd. 120 m lang, 39 m breit und kann bis zu 5,50 m hoch mit Mischwasser beschickt werden. Bei Vollfüllung sind dann ca. 22.500 m³ Mischwasser in dem Becken gespeichert. Die günstige Lage zu einem Transportsiel ermöglicht es, das Becken in freiem Gefälle wieder zu entleeren. Für das Bauwerk Mischwasserrückhaltebecken waren rd. 10.000 m³ Beton einzubauen, wovon alleine für die 1 m dicke Sohle rd. 6.000 m³ erforderlich waren. Da für den Beton eine möglichst geringe Ternperaturerhöhung zur Verminderung der Rissgefahr - die gesamte Sohlplatte musste ohne Dehnungsfugen hergestellt werden -, ein hoher Widerstand gegen Sulfatangriff und vorbeugende Maßnahmen gegen Alkali-Kieselsäure-Reaktion gefordert waren, wurde ein hüttensandreicher Hochofenzernent CEM 111/B 32,5-NW/HSINA verwendet. Je nach Bewehrungsgrad betrug das Zuschlaggrößtkorn 8 mm, 16 mm oder 32 mm. Die Befüllung des Beckens erfolgt durch eine im Rohrvortriebsverfahren neu herzustellende, ca. 550 m lange Verbindungsleitung DN 2000, die in ihrem Trassenverlauf zahlreiche Zwangspunkte unterfahren musste. Dabei betrug die Überdeckung teilweise nur wenig mehr als einen Meter, beim Vortrieb zwischen einem Gründungspfahl und einem Nebensammler sogar nur wenige Zentimeter.
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Beton‑Informationen 6/2000 ab Seite 78
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